Kultur

Liebe, Lust, Vertrauen & Träume

Und es war dennoch das erste Mal, dass er sich wirklich frei fühlte.
Sein Haar bewegte sich im kühlen Abendwind und sie konnten sehen, wie die Sonne hinter den Bergen versank, sich immer weiter dem Boden näherte. Dennoch war es ein sehr weit entfernter Gedanke, dass dieser Moment enden könnte – enden würde – und zwar ein für alle Mal.
Ein für alle Mal.
Wahnsinn. Verrückt. Wahnsinnig? Die Gedanken rasten durch ihren Kopf wie die Autos der Formel Eins die Rennstrecken passierten.
Wundervoll. Friedlich. Die Gedanken rasten durch seinen Kopf, genauso wie sie es in ihrem Kopf taten.
Ist das Freiheit? Sich so stark mit einer Person verbunden zu fühlen, dass man Teil dieser Person ist? Das ist wahnsinnig. Verrückt. Zumindest dachte er das.
Ist das Liebe? Zu wissen, dass zwei Personen so stark miteinander verbunden sind und dennoch denken, sie seien frei? Sie erkannte es nicht.
Synchron drehten sie ihre Köpfe und fragten: „Sind wir verrückt? Sind wir verliebt? Sind wir frei?“
Verrückt. Verliebt. Frei.
Sie fühlten sich frei, ein wenig wild zu sein. Ein wenig verliebt zu sein. Ein wenig frei zu sein. Ein wenig wahnsinnig zu sein.
Wahnsinnig? Er erkannte es nicht.
Er erkannte nicht, dass sie nicht erkannte.
Sie drehten sich den Rücken zu. Verrückt; was sind wir, wenn nicht verliebt, wenn nicht verrückt? Aber ihre Gedanken rasten synchron durch ihre Köpfe. Er fühlte sich so nah und sie fühlte sich so fern, aber sie fühlte sich so nah und er fühlte sich so fern.
Sie drehten sich erneut und sahen sich an.
Sie drehten sich und sahen Staub. Staub des Momentes, der schon lange verflogen war. Schon lange.
Sie drehten sich und sahen ihre Reflektion. Ihre zweite Hälfte.
Sie drehten sich und sahen nichts außer dem Spiegelbild.
Dennoch fühlten sie sich das erste Mal wirklich frei.

 

 

Heiko Westerburg, Q1

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